Reitstiefel

Welche Reitstiefel für welchen Einsatzzweck?

Gummireitstiefel

Gummireitstiefel sind in erster Linie für den Reitanfänger geeignet, der nur sporadisch reitet. Auch machen Gummireitstiefel Sinn, wenn neben dem Reiten noch Stallarbeiten zu verrichten sind, oder man sich auf matschigem und nassem Untergrund bewegt.

Lederreitstiefel

Für den bereits fortgeschrittenen Reiter sind Lederreitstiefel sinnvoll, da die Einwirkung bzw. die Hilfen über die Schenkel auf das Pferd bereits wesentlich intensiver und feiner erfolgen. Lederreitstiefel werden überwiegend auch von Turnierreitern gerne getragen, da Sie optisch einfach ansprechender aussehen.

Winterreitstiefel

Hier gilt das Gleiche wie bei den Gummireitstiefeln. Auch die Winterreitstiefel sind in erster Linie etwas für den Anfänger oder den Reiter der häufig auch während der Wintermonate ausreitet. Der geübte Reiter wird lieber etwas an den Füßen frieren, als auf den Kontakt zum Pferd verzichten.

Kriterien für die Kaufentscheidung

Reitstiefel sind neben Sattel und Zügel die wichtgste Verbindung zum Pferd, da vom Schenkel des Reiters die wesentlichen Hilfen am schonendesten auf das Pferd übertragen werden. Aus diesem Grund sollten bei der Kaufentscheidung folgende Kriterien eine fundamentale Rolle spielen:

  • Auswahl der richtigen Schuhgröße
  • Guter Sitz des Reitstiefels (nicht zu eng und nicht zu weit)
  • Auswahl richtiger Schafthöhe (die Schafthöhe muss bei einem neuen Stiefel in der Kniekehle unbequem sein und leicht drücken. Dies ändert sich nach dem Einlaufen, da sich der Schaft dann setzt.)
  • Gutes und pflegeleichtes Ober- und Untermaterial

Es müssen aber nicht immer Maßanfertigungen sein. Heutzutage gibt es für nahezu jede Fuß-und Beinform geeignete Reitstiefel. Ausschlaggebend ist ausschließlich die richtige Ermittlung der Bein- und Fußmaße.

Grundsätzlich müssen Reitstiefel beim Kauf nicht unbedingt bequem sein. Insbesondere bei Lederreitstiefeln ändert sich dies, wenn die Reitstiefel einmal eingelaufen sind.

Qualitäts- und Preiskategorien

Lederreitstiefel sind im Vergleich zu Reitstiefeln aus Gummi/PVC zwar merklich teurer, jedoch zeigt sich der Qualitätsunterschied in der deutlich besseren Passform und erheblich besserer Reitqualität. Entsprechende Pflege und Behandlung der Reitstiefel wird die Qualität sogar im Laufe der Zeit noch steigern.

Ausführungsarten

Reitstiefel gibt es in verschiedenen Ausführungsarten mit Reißverschluss, geschnürt oder wie insbesondere bei Winterreitstiefeln mit Klettverschluss. Reitstiefel aus PVC/Gummi und Westernstiefel sind vorwiegend verschlusslos.

Ein Reißverschluss ist deshalb vorteilhaft, da er das An- und Ausziehen des Stiefels erleichtert. Gleiches gilt für den Klettverschluss bei Winterreitstiefeln. Geschnürte Reitstiefel sind sehr aufwendig im Handling. Aus diesem Grund sind sie sehr oft mit einem Reißverschluss kombiniert.

Lederreitstiefel werden überwiegend in Rindsleder angeboten. Wer es etwas weicher mag, kann auch Kalbsleder wählen. Diese Reitstiefel sollten nicht nur ästhetisch und elegant, sondern auch qualitativ hochwertig sein. Im Vordergrund sollten aber Sicherheitsanspekte, wie eine durchgehende, rutschfeste Sohle und ein über den Knöchel hinausgehender Schaft stehen. Auch sollte der Absatz, um ein Verhaken im Steigbügel zu vermeiden, nicht zu hoch sein.

Dressurstiefel

Dressurstiefel haben im Vergleich zu Springstiefeln eine etwas härtere Lederqualität und weisen einen sogenannten „Dressurbogen“ an der äußeren Oberkante des Stiefels auf. Der Dressurreitstiefel gilt als die klassische Form des Reitstiefels.

Zum besseren Einsteigen in den Stiefel hat der Dressurstiefel meist einen Reißverschluss, der hinten bis zur Fersenkappe oder aber innen bis knapp über die Sohle reicht. Der Reißverschluss innen bis zur Sohle erleichtert nicht nur das Anziehen des Stiefels, sondern fällt beim Reiten nicht mehr auf, was gerade in der Dressur ein schöneres Gesamtbild von Pferd und Reiter ergibt.

Springstiefel

Die Schafthöhe des Springstiefels ist im Vergleich zum Dressurstiefel etwas niedriger. Um dem Schenkel des Reiters mehr Beweglichkeit einzuräumen und um das Knie besser abwinkeln zu können, ist das Leder etwas weicher als das Leder des Dressurstiefels.

Die Anordnung des Reißverschlusses ist ähnlich wie beim Dressurstiefel. Zusätzlich kann der Einstieg bei einem Reitstiefel mit hinten angeordnetem Reißverschluss durch eine elastische Schnürung im Ristbereich unterstützt werden.

Reitstiefeletten

Reitstiefeletten werden in halbhoher Form angeboten und sind vom Tragekomport bequemer als Reitstiefel. Allerdings sollten Stiefeletten beim Reiten zusammen mit Reitchaps, eine Art Gamaschen, getragen werden, um eine größtmögliche Verbindung zum Pferd herzustellen. Reitchaps gibt es in Glatt- und Wildleder. Nachteil zu Reitstiefeln ist allerdings, dass Stiefeletten in Verbindung mit Reitchaps dem Bein weniger Halt geben. Auch lassen Reitchaps das Bein beim Reiten nicht so formschön erscheinen wie dies bei Reitstiefeln der Fall ist.

Westernreitstiefel

Westernreitstiefel zeichnen sich gegenüber normalen Westernstiefeln dadurch aus, dass die Absätze flacher und nicht abgeschrägt sind. Außerdem ist zwischen Stiefel und Sohle ein fester Rand angeordnet, der ein Verrutschen der Sporen verhindert. Die Stiefelspitze ist im Vergleich zum Westernstiefel wesentlich breiter, um einen sicheren Halt im Steigbügel zu ermöglichen. Qualitativ ist das Leder dicker, da der Westernreitstiefel beim Reiten mehr beansprucht wird.

Insgesamt ist der halb- bis dreiviertel hohe Westernreitstiefel bequemer als der Dressur- bzw. Springstiefel.

Kinder Reitstiefel

Gerade wenn Kinder die ersten Reitversuche unternehmen, ist immer wieder zu beobachten, das die Ausstattung nicht den notwendigen Sicherheitsanforderungen entsprechen. Hierbei ist es unerheblich, ob dies aus falsch verstandenem Kostenbewustsein oder aber aus Unkenntnis der Risiken und Gefahren, die mit dem Umgang eines Pferdes verbunden sind passiert. Deshalb sind neben dem/der Reithelm/Reitkappe die passenden Reitstiefel ein unbedingtes Muß.

Bedenkt man, dass es für Kinder im Handel bereits Gummi/PVC-Reitstiefel ab ca. 17,00-20,00 Euro gibt, wird jeder, der auf das Wohl seines Kindes bedacht ist, selbst das geringste Risiko ausschließen, dass das Kind mit z. B. grobstolligen Winter- oder Gummistiefeln bei einem Sturz im Steigbügel hängen bleibt. Selbst bei einem geführten Pferd kann es hierbei zu erheblichen Verletzungen z. B. im Knöchelbereich kommen, wenn das Pferd sich erschrickt und nur einen unkontrollierten Schritt zur Seite macht. Hierbei macht es auch keinen Unterschied, ob das Kind von einem Pony oder einem Großpferd fällt.

Wachstumsbedingt ist der Kauf von Reitstiefeln für Kinder, insbesonders auch unter dem Kostenhintergrund allerdings etwas schwierig und hängt auch von der Größe des Geldbeutels ab. Da heranwachsende Kinder oder Jugendliche wegen ihrer Größe noch nicht die Verbindung zwischen Schenkel und Pferd herstellen können, macht auch der Kauf von teuren Lederreitstiefeln (ab ca. 130,00 Euro) oft wenig Sinn. Sinnvoll ist in diesem Fall der Kauf von wesentlich günstigeren Reitstiefeln aus Gummi/PVC (ab ca. 17,00-20,00 Euro) oder Reitstiefeln aus Kunstleder (ab ca. 60,00 Euro). Auch wachsen Kinder und Jugendliche relativ schnell aus den Stiefeln heraus, was einen häufigen Neukauf der Reitstiefel nach sich zieht.

Sollte trotzdem ein Lederreitstiefel bevorzugt werden, so gibt es Hersteller, die Reitstiefel anbieten, wo durch Entfernung von Zusatzeinlagen ein „Mitwachsen“ der Schuhgrößen von bis zu 1-2 Größen ermöglicht wird.

Letztlich ist nicht ausschlaggebend aus welchem Material der Reitstiefel für Kinder gefertigt ist. Ausschlaggebend ist einzig und allein das Tragen eines Reitstiefels während des Reitens.

Winter Reitstiefel

Winterreitstiefel sollen in erster Linie dazu dienen, die Füße und Zehen vor Kälte und Feuchtigkeit zu schützen.

Bei Winterreitstiefeln ist zu unterscheiden zwischen normalen Reitstiefeln aus Gummi/PVC bzw. Leder mit Lammfell, synthetischem Fell bzw. Fleecefutter und mittlerweile weit verbreiteten Thermoreitstiefeln mit Wärmedämmung und außen angebrachten Klettverschüssen. Thermoreitstiefel sind in der Regel zudem im Fußbereich bis zum Knöchel wasserdicht, was bei Schneematsch, sonstigem matschigen Untergrund und begleitender Stallarbeit ein erheblicher Vorteil gegenüber Ledereitstiefeln ist. Auch sollte die Sohle bei Winterreitstiefeln rutschfest sein.

Vorteilhaft sind Winterreitstiefel für Reiter, die im Winter viel ausreiten und auch bei Kälte und Schnee warme Füße haben wollen. Hierzu sollten aber die häufig angebotenen Winterreitstiefel mit Reflektorstreifen an den Klettverschlüssen Verwendung finden. Nachteilig ist allerdings, dass der Kontakt zum Pferd im Verhältnis zu „normalen“ Reitstiefeln merklich eingeschränkt ist.

Auch Reitstiefeletten gibt es in der „Wintervariante“ mit Lammfell, synthetischem Fell bzw. Fleecefutter. Hierzu sollten allerdings wärmende Reitchaps getragen werden.

Generell werden Winterreitstiefel oder -stiefeletten etwas größer gekauft werden, um die Bewegungsfreiheit der Zehen zu gewährleisten (in Fausthandschuhen friert man auch nicht so schnell wie in Fingerhandschuhen!).